Verhütungsgeschichte
Wir können heute zwar viel nachweisen, aber alles wissen wir längst nicht. Und so geht es uns auch mit der Historie der Verhütung. Mit ziemlicher Sicherheit darf man wohl behaupten, dass Frau schon von Anbeginn danach suchte, eine unerwünschte Schwangerschaft ausschließen zu können. Welche Methoden sie dazu vor Tausenden von Jahren anwandte, darüber können wir nur spekulieren. Erst die schreibfreudigen Ägypter und dort wohl auch nur die Oberschicht, sprich die Pharaonen samt Hofstaat, hinterliessen schriftliche Spuren zum Thema Verhütung. Während die experimentierfreudigen Ägypterinnen vor knapp viertausend Jahren Algen, Gräser, Wurzeln oder zerstossene Granatapfelkerne in die Vagina eingeführten, probierten Griechinnen und Römerinnen es mit in Olivenöl, Zedernharz oder Alauntinktur getränkten Wollbällchen.

Abb. Granatapfel - Baumwolle - Oliven
Abb. Granatapfel - Baumwolle - Oliven

Der legendäre König Minos von Kreta benutzte angeblich um das Jahr 1200 v. Chr. das erste aus einer Ziegenblase gefertigte Kondom. Fast dreitausend Jahre sollten vergehen, ehe Julius Fromm das Kondom zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch maschinelle Fertigung zu seinen heutigen perfekten Formen brachte.

Casanova
, der wohl bekannteste Herzensbrecher aller Zeiten berichtet in seinen Aufzeichnungen von über den Gebärmutterhals gestülpten halbierten Zitrusfrüchten. Diese Methode war aber bereits schon in der Antike bekannt. Aber auch Kondome waren dem Italiener nicht fremd. Der Name Kondom stammt übrigens vom englischen Hofarzt Dr. Condom, der gegen Ende des 17. Jahrhundert für seine Empfehlung, doch aus Hammeldärmen gefertigte Verhütungssäckchen zu benützen, zum Ritter geschlagen wurde.

Es sollten allerdings noch mal fast einhundert Jahre vergehen, ehe durch die Entdeckdung des Kautschuks die Kondome zu großer Form und großer Verbreitung aufliefen. In diese Zeit fällt auch die Entwicklung einer ebenfalls, dank Kautschuk, elastischen Kappe durch den Berliner Anatomieprofessor Dr. Adolph Wilde, der gegen 1840 damit begann, sogenannte Portiokappen anzupassen. Dazu fertigte er einen Wachsabdruck vom Gebärmutterhals der verhütungsfreudigen Frau und stellte dann vom Abdruck eine Kappe aus Kautschuk her. 1880 wurde erstmals in einem Artikel das Diaphragma beschrieben, welches bis weit in die 20er und 30er des vorigen Jahrhunderts zusammen mit der Portiokappe und dem Kondom zu den meistbenutzten Verhütungsmittel in Deutschland zählte. Portiokappen wurden übrigens aus Silber, Metall, Elfenbein, Gummi und Zelluloid hergestellt – ganz nach Geldbeutel.

Mit Einführung und dem Siegeszug der 1960 zuerst in den USA und bereits 1961 in Deutschland auf den Markt kommenden Antibabypille, gerieten viele der altüberlieferten Verhütungsmethoden fast vollkommen in Vergessenheit. Lediglich Kondom und Spirale (auch Interuterinpessar genannt) konnten sich neben der Pille behaupten.

BUCHTIPP!


  • Lust ohne Last
    Geschichte der Empfängnisverhütung
    Robert Jütte
    C.H. Beck Verlag München
    ISBN 3406494307